Die Symbole der Mainzer Prinzengarde

uniformIm Laufe ihrer Geschichte wechselte die Prinzengarde zweimal ihr äußeres Erscheinungsbild. Die erste von Clemens Kissel im Jahr 1883 entworfene Uniform war in Schnitt und Farbe der Montur der Kurmainzer Füsiliere, kurz vor der französischen Revolution nachempfunden. Die ersten Gardisten und Offiziere traten mit mächtigen Gamschen, weißen Röcken, wallenden Alllonge-Perücken und langen Zöpfen auf.

Bei der Aktivensitzung 1888 einigte sich die Garde darauf, zur 50-jährigen Jubiläumsfeier des Carnevals in neuen, wieder von Clemens Kissel entworfenen Uniformen anzutreten. Diese waren in rot gehalten und nach Art der Wallenstein’schen Reiterei gestaltet.

Kuriosen Presseberichten von 1893 zufolge sollen Schneider sogar auf Geißböcken durch Mainz geritten sein, um rechtzeitig vor der Kampagne alle Utensilien für die Uniformen zusammenzutragen. Um die Jahrhundertwende zahlte man 30 Mark für ein von Georg Willius entworfene Uniform, die erneut in Wallenstein’scher Tradition gestaltet worden war.

Die heutigen Uniformen wurde zum Ende der Gardesitzung von 1927 vorgestellt. Der Entwurf stammte von Philipp Zeltner. Als Vorbild dienten erneut die Kurmainzer Felduniformen mit friderizianischem Einschlag. eine rote Uniformjacke mit blauen Stulpen, Brustteil und Rockschößen sowie weißer Paspellierung wurde kombiniert mit weißen Hosen, schwarzen Gamaschen mit silbernen Knöpfen und gelber Paspellierung sowie einem blau-roten Grenadierhut mit der Narrenzahl 11. Seit 1995 steht ein in Bronze gegossener Trommler als Gardesymbol in dieser Uniform gegenüber dem Fastnachtsbrunnen am Schillerplatz.

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Seit  Gründung verfügt die Mainzer Prinzengarde stets über ein eigenes, nur aus Trommlern bestehendes Korps. Der Trommler ist daher zur Symbolfigur der Garde geworden.

Trommler, Tambourmajor und Schellenbaum haben nicht nur in der Fastnacht eine lange Tradition. Bereits in der Antike waren Trommeln als weithin hörbare Signal- und Nachrichtenübermittler unverzichtbare Bestandteile militärischer Kommunikation. Im Mittelalter wurde daraus ein Bestandteil höfischen Zeremoniells.

trommlerSeit dem 16. Jahrhundert unterschied man zwischen Trommler und Pfeifer der Infanterie sowie Pauker und Trompeter der Kavallerie. Mit dem 30-jährigen Krieg kam die Marschmusik als Erkennungszeichen und zur Anfeuerung im Kampf erstmals voll zur Geltung. Seit der Zeit der stehenden Heere war die Trommel ein unverzichtbares Instrument für den Tagesablauf der Soldaten, verantwortlich für die rhythmische Untermalung des Musikkorps und zum Schlagen des Generalmarsches. In allen Armeen wurden 12- bis 16-jährige Buben aufgenommen und wegen ihrer flinken Gelenke zu Tambouren ausgebildet. Mehrsprachig redegewandt und ehrenhaft mussten sie sein, um etwa als Parlamentäre zum Feind geschickt werden zu können. Seit der Wilhelminischen Zeit wurde jeder Militärkapelle stets ein Spielmannszug, bestehend aus Trommlern und Pfeifern sowie einem Tambourmajor beigestellt. Auf sein Zeichen hin wurden die Märsche der Kapelle gelockt oder eigene Märsche ohne Unterlass gespielt.

Viele Vorbilder aus der Militärmusik sind von den Mainzer Fastnachtsgarden als Persiflage übernommen worden – so etwa die „Reveille“. Diese wurde ab Tagesanbruch von sämtlichen Trommlern im Lager als Signal geschlagen. Das Trommlerkorps der Prinzengarde hatte diesen Brauch bis in die 1960er Jahre beibehalten: Beim Hellwerden zog es vor das Quartier des Gardegenerals und trommelte was das Zeug hielt! Nach Verabreichung fester und vor allem flüssiger Nahrung zog man weiter, was dazu führte, dass die Trommler oftmals locker und beschwingt zu den Umzügen antraten. Dieser Brauch brachte dem Trommlerkorps der Prinzengarde den Spitznamen „Meenzer Wecker“ ein. Neben einer ganzen Reihe an klassischen Militärmärschen führt das Trommlerkorps aber auch das militärische Gehabe persiflierende Stücke im Programm, wie das so genannte „Nudelsche“.

Seinen Stock schwingend schreitet der Tambourmajor gemessenen Schrittes den Trommlern voran. Schon Heinrich Heine verewigte diese Figur in seinem Gedicht „Der alte Tambourmajor“, dessen Protagonist in fremden Landen Damenherzen eroberte, während Kaiser Napoleon I die Herren in die Knie zwang. Auch in der komischen Oper „Die Tochter des Tambourmajors“ von Offenbach hat er ebenso seinen Platz wie im sozialkritischen Drama „Woyzeck“ nach Büchner.

Den Stock – auch Tugh genannt – der Mainzer Prinzengarde ziert ein geschnitztes Kaspergesicht mit Spitzhut – das „Hännesje“ – das von unseren Kadetten heiß und innig verehrt wird.

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SchellenbaumSeiner Herkunft nach ist der Schellenbaum in den deutschen Heeren nicht als Instrument, sondern als Siegestrophäe bekannt, die der Truppe bei besonderen Anlässen symbolhaft als Fahne der Musik vorausgeführt wird. Er wird daher auch nicht von einem Musiker, sondern von einem Truppenangehörigen, bei der Mainzer Prinzengarde von einem Gardisten getragen.

Der Ursprung des Schellenbaumes liegt vermutlich in China, er ist über Indien nach Kleinasien gekommen und fand bei den Türken in den Musikgruppen der Janitscharen Aufnahme, wo er sein äußeres Wesensmerkmal erhielt. Neben dem mit Schellen versehenen Halbmond sind es die gefärbten Rossschweifen, die seine türkische Abstammung unterstreichen und von den Feldzeichen hoher militärischer Würdenträger übernommen wurden. Am oberen Ende befindet sich eine Art Feldzeichen (im Falle der Prinzengarde ein Adler), darunter ein Regimentsabzeichen (im Falle der Prinzengarde der Prinzengardestern). Die Mainzer Prinzengarde verdankt ihren Schellenbaum dem langjährigen Schriftführer, zweiten Vorsitzenden und heutigen Ehrenmitglied Generaloberst Kurt von Reinhard zu Luft, Graf von Sack und Plan.

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PrinzengardeballWas dem Österreicher der Opernball, dem Münchner der Ball der Goldenen Lederhose und jeder Freiwilligen Feuerwehr der Spritzenball ist, ist dem Prinzengardisten und jedem närrischen Mainzer der Maskenball der Mainzer Prinzengarde. Er ist einer der letzten verbleibenden Bälle und zugleich der größte, älteste und vielleicht schönste Fastnachtsball im gesamten Rhein-Main-Gebiet.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1884 veranstaltet die Garde am Fastnachtssamstag den noch heute zahlreich besuchten Maskenball. Anfangs füllten die Närrinnen und Narrhallesen eher überschaubare Lokalitäten. 1926 ging man das Wagnis ein, den Ball in die große Stadthalle zu verlegen. Der Erfolg gab der Garde Recht. Ab 1945 fanden die Prinzengardebälle in den restaurierten Räumlichkeiten des Kurfürstlichen Schlosses statt, ab 1969 in der Rheingoldhalle. Garantie für beste Stimmung sind närrisch ausgelassene Besucher, klangvolle Orchester, Musikgruppen, DJs und die Freude an den tollen Tagen!

Der Prinzengardeball stellt mittlerweile den größten Fastnachtsball im gesamten Rhein-Main-Gebiet dar und zieht die Besucher magisch in seinen Bann. Also: Zögern Sie nicht und bestellen gleich Ihre Karte!

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Bereits kurz nach ihrer Gründung beging die Prinzengarde den Start der neuen Kampagne mit der so genannten Martini-Kerb. Es handelt sich dabei um einen in allen Räumlichkeiten der Stadthalle mit großem Aufwand durchgeführten Hallenjahrmarkt. Musik, Tanz und Gesang gehörten ebenso dazu wie Dosen- und Wurfpfeilwerfen, Luftballon-Aufblasen, Nageleinschlagen und Hau-den-Lukas. Früher kam es darüber hinaus zur Verlosung von prächtigen Gänsen für Festtagsbraten. Wegen der zivilen Eintritts- und Verzehrpreise bei der Bevölkerung äußerst beliebt und gut besucht, bescherte die Kerb der Garde immer ein ordentliches Sümmchen in der „Kriegskasse“.

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurden zusammen mit der gesamten Stadthalle die Requisiten der Martini-Kerb zerstört. Trotz zahlreicher Bemühungen gelang es der Prinzengarde danach leider nicht mehr, diese Veranstaltung neu auszurichten. Eine Art der Fortsetzung erfährt die Martini-Kerb in dem seit 1972 bis heute bestehenden Herbstmanöver. Ziel dieser Veranstaltung ist es, jungen Rednern, Sängern und „Scheierborzelern“ im familiären Rahmen die Möglichkeit eines ersten Auftritts auf der närrischen Rostra zu bieten.

Nach einigen Ortswechseln findet das Herbstmanöver in den letzten Jahren wieder im Bürgerhaus Lerchenberg mit jeweils besonderem Motto statt. So lud man etwa mit dem Vers „Ein Mensch, der blindlings nur der Presse glaubt, wird oft um seinen Schlaf beraubt“. Ein anderes Mal konnte man eine „Schiffspassage auf der MS-PEGASUS“ buchen. In 2010 konnten sich die Mitglieder einen Stand auf dem „Wochenmarkt der MPG“ reservieren. Torsten Dolezilek, „ToDo“ genannt, zeichnet seit 2007 für die Gestaltung des Manöverfestes verantwortlich. Er hat inzwischen bereits einen festen Kreis an ebenso jungen wie innovativen Freunden um sich geschart, sodass das Herbstmanöver der Prinzengarde bestimmt auch beim 150-jährigen Gardejubiläum noch Bestand haben wird.

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„Da vom Komiteetertisch tönt die Glocke heiter, frisch. Jetzo spricht der Präsident, den in Mainz ein jeder kennt.“ Dieses Zitat vom früheren Schauspieler des Mainzer Stadttheaters Günther Fleckenstein über die Sitzungspräsidenten der Mainzer Fastnacht, trifft auf die der Mainzer Prinzengarde im Besonderen zu.

Als man um 1837 daranging, die Mainzer Fastnacht neu zu organisieren, gab man dem Fest mit der Ranzengarde und dem Carnevalverein einen Rahmen, der bis heute beibehalten worden ist. Damals wurde das noch als „toller, planloser Hexensabbath“ bezeichnete närrische Treiben neu situiert. Zugleich wurde die Fastnacht mit der Sitzungsfastnacht um eine zeitgemäße Komponente im Saal erweitert.

Sitzungen im heutigen Sinne waren bei der Prinzengarde damals noch unbekannt. Man veranstaltete „Närrische Konzerte“ mit vielfältigem Programm. Der Schwerpunkt lag dabei bei einigen wenigen Vorträgen, musikalischen Darbietungen wie insbesondere den gemeinsam gesungenen und populären Chorliedern. Auf hübsche Tänzerinnen, echte Mainzer „Böbbcher“ und „Bürgerstöchter“ musste man verzichten – Ballettauftritte waren noch nicht üblich. Die Leitung der Konzerte lag zunächst in den Händen des stadtbekannten „Urschoten“ Jean Dremmel, einem Mitbegründer der Garde.

Als man 1904 dazu überging, die Konzerte der Prinzengarde in Sitzungen umzuwandeln, benötigte man das Amt des Sitzungspräsidenten. Zu dessen wichtigsten Aufgaben zählt seitdem die rechtzeitige organisatorische Vorbereitung und personelle Zusammenstellung der Sitzung. Zudem obliegt es ihm, charmant und witzig durch das Programm zu führen, Rednern und Sängern den Weg auf die „närrische Rostra“ zu ebnen und schließlich durch angemessene Anmoderationen die Zustimmung des Publikums zu erlangen.

Zur Bewältigung der genannten Aufgaben muss der Sitzungspräsident die eigene Person völlig zurücknehmen und die Akteure im Rampenlicht glänzen lassen. Darüber hinaus muss er Organisationstalent, Menschenkenntnis, Kontaktfreudigkeit und Schlagfertigkeit mitbringen sowie plötzlichen Stresssituationen stets gewachsen sein.

Seit 1894 weist die Garde mit lediglich sieben Sitzungspräsidenten ein hohes Maß an Kontinuität auf. Dies gewährleistet das Zusammenwachsen des Teams hinter der Bühne, auf das sich der Präsident verlassen muss. Alle Sitzungspräsidenten bemühen sich seit jeher um eine Belebung des Mainzer Elements in den Sitzungen und richten ihr Augenmerk auf die Bewahrung und Belebung der politisch-literarisch Fastnacht und der Förderung des Nachwuchses.

Am längsten hantierte Diether Hummel mit Schell und Zepter im Komitee. Über sein von 1934 – 1972 andauerndes Wirken haben sich zahlreiche Legenden gerankt. Zu Beginn hatte er im unvergessenen Martin Mundo einen einzigartigen Lehrmeister gefunden. Dieser ermahnte den zappeligen Novizen anlässlich der Sitzung zum 50-jährigen Jubiläum immer wieder zur Ruhe und zum Abwarten, bis die Zuschauer geklatscht haben. Danach stöhnte Hummel: „Ich hab’ nichts trinken dürfen, ich hab’ nicht Hurra rufen dürfen – nichts durfte ich machen!“.

Die so vermittelten Feinheiten hatte sich Hummel über alle Zeit hinweg bewahrt. Seine stadtbekannten „Hummel’schen“ Versprecher riefen immer wieder den Beifall hervor. Als er sich einmal im Sitzungsverlauf nicht versprochen hatte, lautete der einhellige Kommentar: „Heute war er schlecht, er hat sich nicht versprochen!“. Die ihm typische Art der Sitzungsleitung bestach durch eine optimistisch-joviale Art, gepaart mit Souveränität.

Im Jahre 1972 übergab er das Szepter in jüngere Hände: Hermann S. Keller, „Baron von Pharmazie und Pillendreh“, übernahm es mit dem Versprechen, den Weg weiter nach oben zu gehen. Bei diesem erfolgreichen Bemühen baute er auf die langjährigen Erfahrungen u.a. von  Hans Barnarius, „Edler Verseschmied vum Gaadefeld von Knibbeldick und Geradheraus“. Keller war in seinem Handeln stets den bewährten Traditionen verpflichtet, ohne sich etwaigen Innovationen zu verschließen. Er nahm etwa das als Wagnis bezeichnete Experiment auf sich, erstmalig eine Jazztanzgruppe auf die Bühne zu bringen. Die über Jahre währende positive Resonanz bestätigte in eindrucksvoller Weise seine gute Einschätzung von Stimmungslage und Erwartungen des Publikums.

Seit 1996 regierte dann Karl Otto Armbrüster, Baron von Froh-Natur und Rheinhessen zu Buden und Heim, Präsident und Sitzungs-Oberbimmler der MPG, über Komitee, Zepter und Schell’. Zu seinen Markenzeichen zählen die „auf Sturm sitzende Kapp“, seine Schlagfertigkeit sowie eine reichhaltige Sammlung an DIN-A6-Karteikärtchen, auf denen der Sitzungsablauf zwar minutiös vorbereitet, dennoch jederzeit flexibel abgeändert werden kann.

Seinem Geschick, seiner rheinhessischen Flexibilität und Jovialität sind die guten Verbindungen zu zahlreichen Rednern, Sängern und Scheierborzelern zu verdanken. Die von ihm initiierten Treffen der Bühnenaktiven im heimischen Flonheim bei herzhaftem Spießbraten, leckerem warmem Kartoffelsalat und einem guten Glas Wein haben einen legendären Ruf. In fröhlicher Runde sind manche Anregungen für Vorträge, Eröffnungsspiele, Running Gags und sonstigen qualifiziertem Kokolores entstanden.

Peter Gottron 2012 präsidierte Peter Gottron, „mit närrischer Muttermilch großgezogener Reimeschmied und Nachfahre der kurfürstlichen Kellerei“, zunächst vertretungsweise, im darauffolgenden Jahr dann offiziell die Sitzungen der Garde. Einem uralten Mainzer Geschlecht entstammend ist er wie so mancher seiner Vorfahren bereits früh der Mainzer Fastnacht verfallen.
Die ersten rot-weiß-blau-gelben Meriten verdiente er sich bei der Mainzer Kleppergarde; 1980 bis 1982 agierte er bei „Jugend in der Bütt“. Seit 2009 trägt er den vierfarb-bunten Rock der Prinzengarde. Trotz seiner erst kurzen Zeit auf dem Präsidentenstuhl hat er bereits einen Kultstatus erheischenden Spruch geprägt. Jedem Bühnen-Protagonisten überreicht er neben dem jeweiligen Kampagneorden als Dank eine „Flasche Winzersekt von der Erzeugergemeinschaft Winzersekt aus Sprendlingen“, kurz „Winzersekt von Winzersekt“.

So verschieden die Sitzungspräsidenten auch in ihrem Temperament und Agieren waren, sie alle handelten nach der Maxime „Ich mach’ es, weil es mir Spaß macht!“.

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Epizentrum des Geschehens an den drei tollen Tagen

FeldlagerBis zum Zweiten Weltkrieg und z.T. noch bis in 1960er Jahre hinein schlugen die Garden mit Genehmigung der Stadtverwaltung bereits am Donnerstag oder Freitag vor Fastnacht große Feldlager auf, die zum Mittelpunkt des fastnachtlichen Gardelebens wurden. In den Schilderwachthäuschen hielten Gardisten mit ihren Holzgewehren die Wacht. In den großen Zelten spielten die Gardekapellen zum Tanz auf. Die einzelnen Garden statteten sich in großer Zahl gegenseitige Besuche ab.

Neben den Gardisten amüsierten sich vor allem Mainzer Bürger mit ihren Kindern zu sehr moderaten Preisen. Sie zogen von Feldlager zu Feldlager, wodurch es bis zum späten Abend zu einem lebhaften Treiben in der Stadt kam. Den Proviant hatten die Garden zumeist in der Mainzer Geschäftswelt erbeten oder auf gut mainzerisch „erfochten“. Bedingt durch immer weniger freie Großflächen befinden sich die Hauptquartiere heute meistens in Turnhallen und ähnlichen öffentlichen Räumlichkeiten. Damit ist es auch zu einer Beruhigung des närrischen Treibens im Innenstadtbereich gekommen.

Die Feldlager der Prinzengarde befanden sich bis 1939 auf dem Gutenberg- und Liebfrauenplatz, dem Halleplatz und im Garten der Stadthalle sowie auf dem Markt und auf dem Brand. Ab 1945 ließ man sich zunächst im „Belli-Bau“ (1950/51) nieder, dann im Kurfürstlichen Schloss (1952-1955), im Café Königshof (1956-1958), auf dem Brand (1959/60) und im Hotel Königshof (1961). Von 1962 – 1990 beherbergte die Anne-Frank-Schule die Mainzer Prinzengarde, ehe man ab 1992 im Domflügel des Hilton-Hotels residierte. Nach dem Rosenmontagszug 2005 rückte die Garde in das Proviantmagazin ein und hat so ein ideales Feldlager gefunden.

Im Feldlager treten alle siegreichen Schwadronen und Bataillone noch einmal vor dem Kommandierenden General und dem Großen Generalstab an und die Verteilung auszeichnender Lobeshymnen durch närrische Siegeschoräle findet statt. Die Erstversorgung heiß gelaufener Füße und wund gerittener Hinterteile erfolgt ebenso im Lager, wie der große Durst und kleine Hunger gestillt wird. Die Klänge der Edwin Steimer-Band lassen beim „Tanz in allen Stiefeln“ erst gar keine Müdigkeit aufkommen.

Das Feldlager der Prinzengarde hat sich in den letzten Jahren zu einem Geheimtipp gemausert! Erfreulicherweise kommt es auch wieder zu gegenseitigen Gardebesuchen, z.T. mit Trommlerkorps und Musikzügen. Auch Guggemusiken finden sich gerne im Feldlager der Garde ein.

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Mit Musik marschiert es sich noch mal so gut

Bis 1939 konnte die Prinzengarde auf die Kapellen hessisch-darmstädtischer, nassauischer Regimenter oder eines Mainzer Truppenteils zurückgreifen. Zwischen Militärmusikern und Gardemitgliedern herrschte dabei lange ein herzliches Verhältnis. Ab 1945 behalfen sich die Garden anderweitig.

Unsere Hochheimer

FanfarenSeit der Kampagne 1953 bestand zunächst lockerer Kontakt zum Spielmanns- und Fanfarenzug aus Hochheim a. M. Ab 1966 kam es zu einer engeren Bindung an die Prinzengarde, die sich später intensivierte. Seitdem haben die Hochheimer Spielleute keinen Umzug der Garde mehr ausgelassen. 

Im Jahre 1989 erfolgte die Umbenennung in „Blasorchester des Spielmanns- und Fanfarenzuges der Wein- und Sektstadt Hochheim a.M.“. In vielen gut besuchten Motto-Konzerten wie „Die Musik der Filmklassiker“, „Das Beste aus 25 Jahren“, „It's Showtime“ oder „Schubert“ stellen die Musiker ihr Können stets neu unter Beweis.

Unsere Osthofener

Das 1979 aus dem „Fanfaren-, Spielmanns- und Musikzug“ der Turngemeinde Osthofen hervorgegangene „Wonnegauer Blasorchester“ bereichert jedes Jahr die Um- und Aufzüge sowie die Sitzungen und Pausenempfänge der Prinzengarde. Statt der ursprünglichen Fanfaren dominieren mittlerweile Trompete, Posaune, Tenor- und Waldhorn und natürlich die Tuba. Querflöte und Klarinette sowie verschiedene Saxophone erweitern das musikalische Spektrum.

Mit Bruno Sobral steht seit 2007 ein Profimusiker an der Spitze. Dem derzeit unter Führung von Vanessa Hofmockel stehenden Orchester kommt am Fastnachtssonntag die ehrenvolle Aufgabe zu, den zelebrierten Fastnachtsgottesdienst im Hohen Dom einfühlsam zu begleiten. Wer einmal zum Ende des Gottesdienstes den machtvollen Prinzengardemarsch – den Bruckerlager-Marsch – hören konnte, der wird diesen Gottesdienst so schnell nicht vergessen.

Unsere Großostheimer

Parade der Garden1954 wurde in der Marktgemeinde Großostheim im dortigen Reit- und Fahrverein eine Fanfaren-Abteilung aus der Taufe gehoben. Der Reiterfanfarenzug ist der älteste noch bestehende seiner Art in Deutschland. Bereits 1961 begleiteten die musizierenden Bayern erstmals die Prinzengarde beim Rosenmontagszug. Seit 1978 sind die Großostheimer ständige imposante Begleiter der Prinzengarde am Rosenmontag.

Unter dem derzeitigen Vorsitzenden Manfred Zieger und der musikalischen Leitung von Peter Ullrich besteht der Fanfarenzug aus 16 MitgliederInnen mit 15 Pferden, welche die Prinzengarde optisch bereichern. Das Repertoire der Reiter besteht aus insgesamt 21 Fanfarenmärschen sowie Signalen auf ventillosen Es-Fanfaren.

Für jeden Besucher ist es am Ende des Umzuges immer wieder ein besonderes Erlebnis, das Trommlerkorps sowie die Hochheimer, Osthofener und Großostheimer nebeneinander aufmarschiert zu erleben.

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Zwei besondere Funktionen in der Mainzer Prinzengarde

sappeureBei den Um- und Aufzügen der Mainzer Prinzengarde fallen dem Zuschauer vor allem zwei Figuren im Besonderen auf:  An der Spitze der Garde marschieren zum einen traditionell zwei bis drei groß gewachsene Gardisten, große Äxte mit sich führend und eine große Lederschürze tragend – die so genannten „Sappeure“. Zum andern lässt sich zwischen den Marschabteilungen der Garde immer wieder ein hin und her wuselnder Offizier – der „Profos“ – blicken, der einen großen, mit farbigen Bändern versehenen Stab schwenkt. 

Die Sappeure (von französisch „sapeur“ – Steinhauer) waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau von Gräben vor feindlichen Stellungen betraut. Unter den kräftigsten und geschicktesten Soldaten jeden Infanterieregimentes wählte man einige für diese Aufgaben aus, für die sie langstielige Zimmermannsäxte erhielten. Als Anerkennung für ihren Einsatz erhielten die Sappeure das Privileg, an der Spitze der Kolonne marschieren zu dürfen. Die Sappeure der Prinzengarde müssen im Verlauf der närrischen Umzüge weder Bäume fällen noch Hindernisse beseitigen, wohl aber die Marschroute für die nachfolgende Garde freihalten.

Der Profos, (aus dem Niederländischen „provoost“), war im 16. Jahrhundert ein mit der Regimentspolizei beauftragter Militärbeamter, der sich um die Einhaltung der Feldordnung zu kümmern hatte. Er sorgte dafür, dass die Anweisungen der Kommandierenden umgesetzt wurden. Er übte zudem polizeiliche Gewalt aus, erteilte u.a. Verkaufslizensen und setzte Preise fest. Als Symbol für seine Sanktionierungsrechte trug er einen kräftigen Stock.

In der Prinzengarde kommen dem Profos verschiedene Aufgaben zu: Er muss für die mitzuführenden Garde-Fahnen die entsprechenden Fahnenträger finden. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass der Zapfen im Feldlager gestrichen wird, um den rechtzeitigen Abmarsch nicht zu verpassen. Für den Marsch legt er die Reihenfolge der einzelnen Abteilungen fest. Am Aufstellungsplatz überwacht er das zeitige und reibungslose Einfädeln der Garde in den Umzug. Nach dem Umzug, vor dem Einrücken der durstigen und hungrigen Gardisten und Offiziere, organisiert er noch den Aufmarsch aller Gardeabteilungen zum Schlussappell durch den Generalfeldmarschall. Erst dann darf er sich den Bierkrug reichen lassen und sich der Annehmlichkeiten des Feldlagers erfreuen.

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„Tugendfrohe Jungfrau, alleinige Inhaberin des hohen Ordens von der Goldenen Tugendrose“

Von Gründung der Prinzengarde an werden die Gardisten und Offiziere während aller Auf- und Umzüge stets von einer emsigen Marketenderin „vor'm Verdorschte un' Verhungern“ bewahrt. Die Prinzengarde hielt dabei an der liebgewordenen Tradition fest, dass Männer weiterhin diese Rolle ausfüllten.

Der Begriff des Marketenders (von lateinisch mercatante – Händler, Kaufmann) kommt aus dem Militärwesen. Der Marketender gehörte zum Tross der früheren Heere. Er versorgte die Soldaten mit Lebens- und Genussmitteln. Mit dem Aufkommen der Söldnerheere gab es vermehrt auch (Ehe-)Frauen, die als Marketenderinnen dem Heer folgten. Das Leben der Marketenderinnen bestand aus viel Arbeit und sie waren stets der Gefahr von Gefechten ausgesetzt.

Nicht verschwiegen werden soll die Tatsache, dass Marketenderinnen auch der Prostitution nachgingen und nach siegreichen Schlachten plündernd über das Schlachtfeld zogen. Brecht bezeichnete die Figur in „Mutter Courage und ihre Kinder“ als „Hyäne(n) des Schlachtfeldes“. Heine schreibt in seinem „Lied der Marketenderin“: „Die Kavallerie und die Infanterie, ich lieb sie alle, die Braven; Auch hab' ich bei der Artillerie gar manche Nacht geschlummert“. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem stehenden Heer verschwand das Bild der Marketenderin.

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