Die Prinzengarde im Spiegel der Zeit 

Chronik der PrinzengardeMit ihrer mehr als 125jährigen Geschichte bildet die Prinzengarde ein Kernstück der Mainzer Fastnacht. Die Garde versteht die mit Herzblut gepflegte närrische Tradition keineswegs als bloße Weitergabe oder als Verharren an alten Vorstellungen, vielmehr füllt man dieselbe immer wieder mit neuen Inhalten – modern und vital seit vielen Jahren.

Für den historisch interessierten Besucher fassen wir im Folgenden die wichtigsten Stationen zusammen – viel Spaß beim Lesen!

Bereits 1861/62 beteiligte sich die Prinzengarde unter dem Feldgeschrei „Die Garde trinkt, aber sie übergibt sich nicht“ an den närrischen Scharmützeln. Nach 1863 gelang es ihr, wie anderen Garden und Korporationen auch, sich nicht jedes Jahr aufs Neue zu konstituieren. Für einige Jahre finden sich keine Belege mehr für ihre Existenz.

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Ende 1883 kam es zur erneuten Gründung der Garde. Stadtbekannte Persönlichkeiten bildeten sowohl das Führungstrio (Jean Ring – General, Josef Wallau – Kriegsminister, Jean Dremmel – Präsident) als auch den Grundstock für die neue Garde. An den Umzügen beteiligte man sich in einer von Clemens Kissel entworfenen, den kurmainzischen Füsilieren des späten 18. Jahrhunderts nachempfundenen Uniform.

Zur Aufgabe erkor sich die Garde den Schutz seiner Tollität des Prinzen Carneval. Seit damals bis auf den heutigen Tag vereidigt der jeweilige General der Prinzengarde am Fastnachtssamstag die närrischen Rekruten, was sich im Rekrutenlied des Jahres 1893 niederschlug:

„Adjeu Vatter, adjeu Mutter,
schmelzt das Herz Euch ach wie Butter,
mir marschier’n heit in die Stadt
als Rekrut der Prinzengard“.

Gegen Ende des Jahrhunderts sah sich der Mainzer Carneval-Verein aus finanziellen Gründen wiederholt genötigt, den von ihm maßgeblich organisierten Rosenmontagszug ausfallen zu lassen. Die Prinzengarde sprang öfters in die Bresche, um die „tollen“ nicht zu „traurigen Tagen“ werden zu lassen. Gemeinsam mit anderen Garden und Korporationen initiierte man große maskierte Kappenfahrten und organisierte für die Bevölkerung Lagerfeste.

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1894 nahm die Garde selbstverständlich an dem erstmals stattfindenden Neujahrsumzug teil. Für die Fastnachtsumzüge legte sich die Garde eine neue Uniform nach Art der Wallenstein‘schen Reiter zu, die in den folgenden Jahren stets variiert wurde. Bis 1939 erwies sich die von der Garde seit den späten 1890er Jahren alljährlich in der Stadthalle ausgerichtete Meenzer Martini-Kerb (ein großer Hallen-Jahrmarkt) als ein wahrer Publikumsmagnet. Von 1914 an ruhte das Gardeleben infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen.

Die Garde 1899

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Als die französische Besatzungsmacht 1925 „karnevalistische Veranstaltungen aller Art in geschlossenen Räumen“ endlich wieder zuließ veranstaltete die Garde sogleich wieder ihre Sitzungen. Dem 1926 in der Stadthalle stattfindenden ersten großen Fastnachtssamstagsball der Garde folgten noch viele rauschende Ballnächte als Höhepunkte der tollen Tage.

Die 1927 erstmals nach dem Krieg sich wieder durch die Straßen der Stadt schlängelnden Umzüge bereicherte die Garde durch eine neue Montur. Der Mainzer Künstler Philipp Zeltner hatte die bis heute von den Trommlern getragene Uniform entworfen. Sie erinnert an die kurmainzische Felduniform und weist mit ihren Spitzhüten friderizianische Einschläge auf. Uniform und Trommler wurden zu den Symbolen der Garde.

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1928 begann für die Prinzengarde eine unvergessliche und beispiellose Ära. In seiner über 60 Jahre währenden Mitgliedschaft führte Diether Hummel die Garde als Generalfeldmarschall, als Sitzungspräsident und als Präsident erfolgreich durch alle Stürme bis in die Zeit ihrer Wiedererstehung nach 1945. Die von ihm geleiteten legendären Gardesitzungen waren geprägt vom freien Wort, von großer Toleranz und wurden zum Sprungbrett für so manche Karriere auf der närrischen Rostra.

Unter seiner Ägide kam es zu den bis heute bestehenden und gepflegten Verbindungen zu den Prinzengarden in Düsseldorf, Köln und Berlin. Da die 1937 zur Kommandeuse der Garde auserkorene Hildegard Kühne im darauffolgenden Jahr erste weibliche Prinzessin in Mainz wurde, folgte ihr Irmgard von Opel (bis 1986) als Kommandeuse.

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Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erweiterte sich die verbliebene kleine Runde an Mitgliedern nach und nach wieder zu einem großen Freundeskreis. Die erste improvisierte Sitzung fand 1947 im Belegschaftsraum der Firma Burgeff in Hochheim statt, ehe man 1948 im Bootshaus des Mainzer Rudervereins wieder auf linksrheinischem Terrain feierte. 1950 nahm man selbstverständlich am Rosenmontagszug teil, der zum Teil noch durch die mit Trümmern gesäumten Straßen führte.

1965 bildeten Aktive der Prinzengarde, der „Bohnebeitel“ aus Mombach und des Kasteler Carneval-Klubs das Gerippe der neuen, vom Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlten Sitzung „Mainz bleibt Mainz“. Oberbürgermeister Jockel Fuchs ließ es sich von 1968 an nicht nehmen, die Reihen der Prinzengarde als Generaladjutant zu verstärken.

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Diether Hummel begann von 1972 an seine Ämter in jüngere Hände zu legen. Hermann S. Keller fungierte zunächst als Sitzungspräsident und später auch als Präsident. Ihm folgte in beiden Ämtern Karl Otto Armbrüster nach. Das Amt des Sitzungspräsidenten hat heute Peter Gottron inne. Als Generalfeldmarschall führte zunächst Karl Neger und heute Harald Faerber das stolze Prinzenregiment an.

Zum ihrem 100jährigen Jubiläum erwarb die Garde 1984 ein Anwesen in der Rheinstraße, in dem sich sowohl das Weinhaus Wilhelmi als Standquartier befindet als auch die Kleiderkammer der Garde. Aus Anlass des 111jährigen Jubiläums regierte 1995 in Mainz ein von der Garde gestelltes Prinzenpaar. Als sichtbare und bleibende Erinnerung an das Jubiläum stiftete die Garde der Stadt, ihren Bewohnern und den Besuchern einen mannshohen bronzenen Gardetrommler, der das Gouvernement (Osteiner Hof), den Fastnachtsbrunnen und den gesamten Schillerplatz im Blick hat.

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Mit der am Fastnachtssonntag 1996 im Hohen Dom zu Mainz erstmals abgehaltenen Fastnachtsmesse ist ein weiteres Element im Ablauf der drei Fastnachtstage geschaffen worden: ein Gottesdienst unter Beteiligung der Fastnachtskorporationen und Fastnachtsvereine. Die Garde ist an Organisation, Gestaltung und Durchführung desselben ganz wesentlich beteiligt.

Anlässlich des 125jährigen Jubiläums kam es 2009 in der in Mombach gelegenen Phönix-Halle zu einem rauschenden Fest, das noch heute in aller Munde ist. Die Garde feierte mit ihren Schwestergarden aus Düsseldorf und Köln sowie der Historischen Narrozunft Villingen und der Stadtgarde Villingen-Schwenningen.

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2011Die Mainzer Prinzengarde wird mit ihrem großen Freundeskreis auch weiterhin eine herausragende Rolle im närrischen Treiben spielen, sich in den Dienst der närrischen Sache stellen, ihren Besuchern Kurzweil und Spaß bieten und dem von Martin Mundo 1933 geprägten Spruch gerecht werden:

„Wer ist’s, von dem die Meedcher entzückt sin?
Wer ist’s, uff den die Fraue verrückt sin?
Uff wen is‘ die Oma noch vernarrt?
Des is‘ die Meenzer Prinzengard!“

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